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Presseartikel Restaurierung "Parsifal"

Neuer Glanz für die Gralsburg

Die Blumenwiese in Klinsors Zaubergarten scheint so verführerisch bunt wie nie zuvor, die hohen Stämme der Bäume im heiligen Wald wirken noch dunkler und mächtiger, das Gewölbe der Gralsburg noch mystischer: Die 60 Jahre alten Projektionen des Bühnenbilds von Richard Wagners Bühnenweihfestspiel "Parsifal" wurden nun, rechtzeitig vor der restlos ausverkauften Vorstellung am Karfreitag im Nationaltheater, restauriert - dank der Spenden vieler Wagnerfreunde.

Sie sind klein, nur 18 auf 18 Zentimeter groß - aber dank der Leuchtkraft von Scheinwerfern strahlen ihre Bilder dann auf dem gesamten Bühnenhintergrund. 34 solcher Glasplatten, nach Entwürfen von Paul Walter (Bühnenbild) von Günther Schneider-Siemssen von Hand gemalt, bilden das Herzstück der Ausstattung des Mannheimer "Parsifal". Die Inszenierung von Hans Schüler von 1957 gilt als älteste noch gespielte Operninszenierung im deutschsprachigen Raum und drittälteste weltweit, doch nach über 100 Vorstellungen sind viele Glasplatten ebenso wie Kulissenteile kaputt.

5000 Watt hat der Scheinwerfer, der von der Lichtregie aus die Projektionen möglich machen. Neun weitere Scheinwerfer zu je 2000 Watt erhellen die Projektionen von der Portalbrücke aus. "Manche Stellen sind durch die Hitze über die Jahrzehnte hinweg einfach verbrannt", erklärt Nicole Berry, Leiterin der Beleuchtungsabteilung am Nationaltheater. Zwar hätten sie und ihre Mitarbeiter die Glasplatten stets "zärtlich und liebevoll" behandelt und geschützt, aber den einen oder anderen Kratzer gibt es eben doch, die einst starken Bilder sind ausgebleicht, verschwommen, gedunkelt.

"Daher sei es ein Riesengeschenk", dankt Berry dem Richard-Wagner-Verband, dass er eine Erneuerung "unserer Augäpfel", wie sie sagt, möglich machte. An das Projekt herangewagt hat sich der Mannheimer Fotograf, Autor und Filmemacher Thommy Mardo, bekannt geworden durch die fotografische Begleitung der Touren von Xavier Naidoo. In seinem Studio im ehemaligen Kino "Rex" in der Schwetzingerstadt hatt (sic!) er alle handbemalten Platten mit einer Mittelformatkamera abfotografiert, die digitalisierten Aufnahmen dann sehr vorsichtig realisiert.

"Ein Abenteuer" nennt er den Auftrag. Einige der Platten seien sehr stark, andere kaum beschädigt gewesen. Insgesamt nennt er die Arbeit aber "schwierig, schon tricky". Allein an der Blumenwiese hat er sieben Stunden retuschiert. Denn ob Spieralnebel, Einöde oder Auenwald - "wir wollten auch nicht, dass es ganz neu aussieht, um den Charakter der Inszenierung nicht zu verändern", stellt Nicole Berry klar.

Aber spätestens beim Schlussbild, wenn Parsifal als neuer Gralskönig endlich wieder den Gral enthüllt und dazu über ihm eine weiße Taube schwebt, ist Monika Kulczinski restlos begeistert. "Wunderbar, so schön haben wir das noch nie gesehen", schwärmt die Vorsitzende des Richard-Wagner-Verbandes. Sie ist mit ihrem ganzen Vorstand gekommen, um sich über die Verwendung der Spendengelder zu informieren. "Der Parsifal ist ja der Mannheimer liebstes Kind", betont sie. "Wunderbar" sei die Sanierung gelungen, "und für die Leute ist da sicher ein Glücksgefühl, wenn sie sehen, was sie mit ihren Spenden erreicht haben", freut sich Kulczinski.

"Dabei passieren noch viel mehr Sachen", informiert Operndirektor Marwin Wendt den Wagnerverbands-Vorstand. Im Werkhaus zeigt Produktionsleiter Michael Friebele den Altar, Teile des Hügels und die Quelle, wo Kundry die Fußwaschung vornimmt. Da sieht alles das sehr profan aus, was - in magisches Licht getaucht und von faszinierenden Projektionen umgeben - stets den Karfreitagszauber dieser mystisch-sakrale, und doch nicht angestaubten Inszenierung ausmacht, die so viel Publikum anzieht.

"Die Hölzer sind über 60 Jahre alt, ausgetrocknet, spröde", zeigt er auf beschädigte Stellen. An der Quelle sind viele Kanten abgebrochen und porös, was man vom Zuschauerraum zwar nicht sieht, "aber wir müssen ja auch den Arbeitsschutz beachten, damit sich niemand verletzt", betont Friebele. Das gilt ebenso für den Unterbau des Hügels: "Der Stahl ist abgenutzt, viel zu filigran, heute braucht man 250 Kilo Traglast, da haben sich einfach die gesetzlichen Bestimmungen geändert", erklärt er.

Auch Friebele äußert sich dankbar für die Spenden. "Da müssen viele Dinge einfach jetzt mal gemacht werden", erklärt er. Nicht alles schaffe man bis Karfreitag, da die Werkstätten gut ausgelastet seien, aber nach und nach werde das Bühnenbild restauriert. "Aber wir achten darauf, dass wir nicht einfach alles neu machen, sondern so viel vom historischen Bestand der Inszenierung erhalten wie möglich", verspricht Operndirektor Wendt.

 

(Peter W. Ragge / Mannheimer Morgen, 13.03.2018)

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