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Presseartikel zum Parsifal-Abend am 17.03.2026

Wagner-Mystik im Opal-Foyer: Ein Abend rund um „Parsifal“

„Wer ist der Gral?“, fragt Parsifal, der tumbe Tor, in Richard Wagners Bühnenweihfestspiel. Bis er schließlich als Gralskönig die darbende Ritterschaft erlösen darf, schlägt er sich lange mit der Gurnemanz-Antwort „Das sagt sich nicht“ herum. Im Grunde geht's einem im Opal-Foyer beim „Abend mit Vortrag und Musik“, ausgerichtet vom Richard-Wagner-Verband, nicht viel anders. Zwar untersucht Alexander Wischniewski, stellvertretender Vorsitzender des Mannheimer Verbands und studierter Theologe, mit heißem Bemühen Gralsmotive der mittelalterlichen Versepik. Vergleicht sie mit christlicher Tradition und Wagners Libretto. Streift dabei Schopenhauers Erlösungsgedanken, buddhistische Seelenwanderung und allerlei religiöse Mythen. Doch der Bayreuther Meister hat seine ganz eigene Version des Grals gebraut. Anspruchsvoll das, fordernd allzumal. Geheimnis und Mysterium. Bei der inhaltlichen Auseinandersetzung mit Wagners Kosmos „muss man mit Irritation rechnen. Es bleibt immer etwas offen“, lautet letztlich Wischniewskis Resümee.

Aber auch ohne theologische Exegese darf man von Wagners Musik fasziniert sein. Zumal, wenn sie so dargeboten wird wie an diesem Abend. Mit edel schimmerndem Mezzo-Timbre und feinem Piano gestaltet Julia Faylenbogen die Wesendonck-Lieder „Schmerzen“ und „Träume“. Beseelt blickt Thomas Jesatko „umher im edlen Kreise“ (aus dem „Tannhäuser“). Mit einer stattlichen Spende hat der edle Kreis des Mannheimer Wagner-Verbandes 2017 das Bühnenbild der Mannheimer „Parsifal“-Inszenierung aus dem Jahre 1957 gerettet, zu der Wagner-Liebhaber aus aller Welt jährlich am Karfreitag ins Nationaltheater pilgern. „Hier berühren sich Himmel und Erde“, charakterisiert Vorsitzende Monika Kulczinski das Musiktheaterphänomen: „Danach kann es Ostern werden.“ Opernintendant Albrecht Puhlmann stellt zum 70-Jahr-Jubiläum der legendären Hans-Schüler-Produktion im kommenden Jahr eine Feier in Aussicht. Für die Instandhaltung der Ausstattung sorge dankenswerterweise weiterhin der Mannheimer Verband. Gerade wurden Schwan und Gralsschale restauriert. 

Ganz sicher auch im Sinne von Ilse Hannibal. Die 2021 verstorbene, langjährige Vorsitzende des Richard-Wagner-Verbands wäre Ende April hundert Jahre alt geworden. Mit Dankbarkeit erinnert ihre Nachfolgerin an die Herzlichkeit, Strenge, Fürsorge, Leidenschaft und Liebe, mit der Hannibal ihre Präsidentschaft ausgeübt habe. „Vorbildlich. In nie endender Zuneigung zu Wagner und den Bayreuther Festspielen.“ Das Amt sei ihr Beruf und Berufung, auch größte Freude gewesen, wenn sie „jeden Sommer in farbenfreudiger Robe und entsprechendem Geschmeide den Grünen Hügel besucht“ oder Wolfgang Wagner in Mannheim am Goetheplatz begrüßt habe.

Die abschließende Szene aus dem 2. Akt „Parsifal“ mit dem virtuosen Gábor Bartinai am Flügel hätte sie beglückt. Unglaublich intensiv gestaltet Thomas Jesatko den Klingsor, die Paraderolle, mit der er auch in Bayreuth reüssiert hat. Ein Erlebnis ist sein Mienenspiel, jede kleinste Reaktion. Ganz ohne Maske und Kostüm. Unmittelbar. Nah. Stupend die Artikulation, die farbenreich kernige Bariton-Stimme sitzt wie eh und je. Kein Wunder, dass Faylenbogens wohlklingende Kundry sich seiner Macht zu beugen hat. Jubel im Opal-Foyer.

(Susanne Kaulich / Mannheimer Morgen 19.03.2026)

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